Man sieht den Rücken zweier Männer, die auf einer Erhöhung stehen und auf Feuer und eine dicke Rauchwolke vor ihnen schauen. Sie tragen Straßenkleidung obwohl sie anschenend kämpfen. Der Eine schießt mit einer Steinschleuder. Neben ihnen ist eine zerfetzte palästinensische Flagge
Politik

Warum eine Lösung des Nahostkonflikts so schwer ist

Wenn man sich den Nahostkonflikt anschaut, fragt man sich vielleicht, wie er schon so lange existieren kann, warum in all der Zeit keine Lösung gefunden wurde? Schließlich arbeiten Politiker, Diplomaten und Wissenschaftler aus der ganzen Welt seit Jahrzenten immer wieder daran. Trotzdem scheint bisher keine Lösungsmöglichkeit Erfolg gehabt zu haben.

Warum ist das so schwer? Genau auf diese Frage habe ich einige Antworten.

1. Das Land gibt es nur einmal

Das Kernproblem im Nahostkonflikt ist der Streit um das Land. Israelis und Palästinenser beanspruchen es für sich – und zwar für sich alleine. Aber das Land gibt es schließlich nur einmal. Das heißt, dass ein Volk es ganz verlassen müsste und dann heimatlos wäre, was aber verständlicherweise keiner von beiden machen möchte. Und so wird sich weiter gestritten um ein Territorium, das eben nur ein einziges Mal existiert.

Du weißt gar nicht so genau, was der Nahostkonflikt ist? Oder möchtest mehr über die Gründe für diesen Krieg erfahren? Lies gerne meinen Beitrag „Der Nahostkonflikt einfach erklärt

2. Die starke Feindschaft

Durch den jahrzehntelang andauernden Krieg, sind Israelis und Palästinenser so stark verfeindet, dass ein friedliches Zusammenleben oder gar die Gründung eines gemeinsamen Staates so unmöglich erscheinen, wie schneller als das Licht zu reisen. Denn jede Beleidigung, jeder Gewaltakt, jeder Krieg hat die Wunde vertieft, hat den Menschen einen weiteren Grund gegeben den Anderen zu hassen. Schließlich haben israelische Soldaten palästinensische Freunde, Ehefrauen, Ehemänner, Geschwister, Kinder getötet und palästinensische Soldaten haben israelische Freunde, Ehefrauen, Ehemänner, Geschwister, Kinder getötet. So etwas kann man nicht so einfach vergessen.

Die Kinder wachsen mit dieser Feindschaft auf, sie kennen gar nichts anderes mehr, und, da die Gewalt nicht aufhört, wird es ihnen immer schwerer fallen sich eine Zukunft vorzustellen, in der sie in Frieden zusammenleben können.

Menschen wurden verletzt, vertrieben, getötet und die Feindschaft damit immer weiter zementiert. Das aufzubrechen und somit vielleicht ein friedliches Zusammenleben der beiden Völker zu erwirken, ist keine Möglichkeit, die in naher Zukunft Erfolg haben wird. Um das zu schaffen, wäre ein langer Prozess der Aufarbeitung und der Versöhnung nötig, dem aber auch der nächste Punkt im Weg steht.

Anti-palästinensischer Protestzug

Disclaimer: Ich bin keine Politikwissenschaftlerin oder Historikerin. Diese Informationen beruhen auf meiner persönlichen Recherche, die ich nach meinen Möglichkeiten durchgeführt habe. Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit der hier genannten Aspekte.

3. Keiner will einen Schritt nachgeben

2002 entwickelten die USA, die Sowjetunion und die EU gemeinsam mit der UN einen Vorschlag zur Lösung des Nahostkonflikts. Es war ein Plan, der bis 2005 zur Gründung eines palästinensischen Staates neben dem bereits existierenden Staat Israel führen sollte: Die sogenannte Roadmap. Dafür legten sie verschiedene Schritte fest. Die Anforderungen an die Palästinenser waren zum Beispiel: Abkehr vom Terrorismus und demokratische Reform ihrer Behörden. Im Gegenzug sollten die Israelis Gebiete an die Palästinenser abtreten und schließlich den Staat Palästina anerkennen.

Das klingt erst Mal nach einem sinnvollen Plan, doch wie sollte es anders sein: Die Roadmap ist natürlich gescheitert.

Warum? Dafür gibt es wohl viele Gründe aber einer ist die fehlende Bereitschaft auch nur ein bisschen nachzugeben. Die Israelis forderten, dass die Palästinenser doch wohl bitte mit ihren Terrorakten aufhören sollen, bevor sie ihnen israelisches Territorium abtreten. Dahingegen sagen die Palästinenser, dass sie ihr vielleicht größtes Druckmittel auf die Israelis doch nicht aufgeben werden, bevor sich ihre Lage nicht wenigstens ein bisschen verbessert hat.

Somit entstand eine Situation, in der beide Parteien es ablehnten, den ersten Schritt zu machen. Und mit dieser Einstellung wird sich natürlich auch nie etwas ändern, denn kein Friedensplan der Welt funktioniert, wenn keiner der beiden Kontrahenten bereit ist auch nur ein bisschen nachzugeben.

4. Provokationen und Missachtung

Israelis und Palästinenser provozieren sich immer wieder gegenseitig und greifen Menschen aus dem gegnerischen Lager an. Erst im Mai 2021 gab es wieder Angriffe auf die normale Bevölkerung Israels durch die Palästinenser, worauf die Israelis zerstörerisch reagiert haben.

Die Gewalt kommt nie zum Stillstand, und die Israelis zum Beispiel, errichten auch ganz bewusst Siedlungen in Gebieten, die nach dem Teilungsplan der UN von 1947 eigentlich palästinensisches Territorium wären.

Und damit sind wir auch schon beim zweiten Problem in diesem Kontext: Vorherige Lösungsversuche werden missachtet. Es gab also besagten Teilungsplan der UN, der das Gebiet so aufteilen sollte, dass es zwei unabhängige Staaten Israel und Palästina geben kann. Auf diesen Plan wurde auch in nachfolgenden Abkommen zurückgegriffen (z.B. bei den Oslo-Verträgen).

So eine Aufteilung des Gebietes erscheint auch heute noch vielen Menschen als die sinnvollste und realistischste Lösung des Konflikts im Nahen Osten. Die Israelis zeigen aber beispielsweise ganz deutlich, dass sie diesen Lösungsversuch nicht akzeptieren. Schon im 1. Nahostkrieg 1948 eroberten sie Gebiete, die dem Plan nach palästinensisch hätten sein sollen und heute bauen sie eben bewusst Siedlungen im palästinensischen Gebiet, das sie jedoch als ihr Eigentum ansehen.

Das heißt, auch wenn es Lösungsvorschläge gibt, wird sich nicht an die dafür nötigen Schritte gehalten. Keiner von beiden versucht tatsächlich diese umzusetzen. Stattdessen provozieren sie ihren Gegner immer wieder bewusst und es entsteht eine Spirale der Gewalt und Gegengewalt.

Ein Zeitstrahl, der die wichtigsten Lösungsversuche im Nahostkonflikt zeigt. Dargestellt sind: Teilungsplan der UN 1947, Oslo 1 1993, Oslo 2 1995, Roadmap des Nahostquartetts 2002

5. Streit um eine mögliche Gebietsaufteilung

Wenn man nun also versuchen würde, das Gebiet in zwei Territorien aufzuteilen, wie es 1947 die UN getan hat, stände man aber nicht nur vor dem Problem unkooperativer Israelis oder Palästinenser, sondern es wäre eine ganz konkrete Frage, wie man ein Land überhaupt gerecht aufteilen kann.

Wer bekommt welche Regionen?

Bekommt jeder gleich große Anteile?

Wie vermeide ich Konflikte mit den umliegenden Staaten und deren Staatsgebiet?

Ganz akut ist die Frage nach dem Status von Jerusalem. Beide wollen Jerusalem als Hauptstadt, da sie religiöse und historische Werte mit der Stadt verknüpfen. Sollte man die Stadt also aufteilen? Oder zu internationalem Gebiet erklären?

Auch die Wasserversorgung spielt eine signifikante Rolle. Der Nahe Osten ist eine trockene Region, der Niederschlag des gesamten Jahres häuft sich in wenigen Monaten, dafür sind die anderen sehr trocken. Es gibt nicht viele Wasserquellen und um die existierenden, wie die Flüsse Yarmuk und Jordan, herrscht ein immer andauernder Wettstreit. Nicht nur zwischen Israel und Palästina, sondern auch zwischen den umliegenden Staaten wie Syrien oder Jordanien.

Dazu kommt, dass die Israelis einen vergleichsweise hohen Wasserverbrauch haben und deshalb schon früh damit begonnen haben, wasserreiche Gebiete wie das Westjordanland zu besetzen. Damit kontrollieren sie aber gleichzeitig eine wichtige Wasserquelle der Palästinenser, und so, wie wir den Nahostkonflikt kennen, ist es wohl keine Überraschung, dass die Israelis den Palästinensern nicht gerade bereitwillig Zugang zu diesen wichtigen Wasserquellen gewähren.

Mehr zu der Wasserproblematik, kannst du zum Beispiel auf dieser Seite nachlesen

Die nächste Frage für jeden, der nach einer Lösung für den Nahostkonflikt sucht, ist also: Wie verteile ich die Gebiete so, dass jeder Zugang zu Wasser hat? Sollte das verfügbare Wasser für Israelis und Palästinenser gleich sein oder hätte ein Staat aus irgendwelchen Gründen Anspruch auf mehr Wasserquellen? Wo gibt es überhaupt Wasser in dieser trockenen Region?

Und wenn man all diese Punkte berücksichtigt, muss trotzdem ein zusammenhängendes Staatsgebiet für jeden herauskommen.

Fazit

Es gibt also viele Punkte, die eine nahe Lösung des Nahostkonflikts sehr unwahrscheinlich, wenn nicht sogar unmöglich machen. Da gibt es die begrenzte Größe und begrenzte Ressourcen des Gebietes an sich, die jahrzehntelange Feindschaft zwischen Israelis und Palästinensern, Provokationen, Missachtung von bisherigen Lösungsansätzen, verschiedene Hindernisse bei einer möglichen Aufteilung des Landes und die Weigerung beider Seiten, auf den anderen zuzugehen.

Ich hoffe natürlich trotzdem, dass es irgendwem irgendwann gelingen wird diesen Krieg zu beenden und ein zumindest geduldetes Nebeneinander beider Völker zu erreichen. Für all die unschuldigen Menschen, die ihr Leben verloren haben, für all die Menschen, die täglich darunter leiden, für all die Kinder, die in solch einen schmutzigen Streit hineingeboren wurden und in Zukunft noch geboren werden. Für all diese wäre ein Ende des Nahostkonflikts mehr als wünschenswert. Doch das zu erreichen, wird so unglaublich schwer, aus all den genannten Gründen und noch mehr.


Quellen: hauptsächlich mein Geschichtsunterricht in der Oberstufe eines Gymnasiums mit allen Quellen, die wir dort behandelt haben, zusätzlich: https://www.altes-gymnasium-bremen.de/wasserprojekt/nk/lang_nahost.htm, https://www.youtube.com/watch?v=6LxF3aHsoMQ, https://www.youtube.com/watch?v=9iCst4KB2U4

Fotos: Titelbild: Hosny Salah, Anti-palästinensicher Protestzug: Bruce Emmerling, Graphik: von mir, Männchen mit Fragezeichen: Peggy und Marco Lachmann-Anke, danke an Pixabay

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