Starke Frauen Persönlichkeiten

Theresa Kachindamoto – mit Mut und Engagement gegen Kinderehen

*Symbolbild von mariamichelle auf www.pixabay.com

Theresa Kachindamoto – der „Terminator“ von Malawi. Dieser Spitzname bezeichnet ihr Engagement und ihren starken Willen, zu Ende zu bringen, was sie angefangen hat. Denn Theresa Kachindamoto setzt sich für die Frauen in Malawi ein, ihr oberstes Ziel lautet dabei die Kinderehen zu beenden, die in Malawi Gang und Gebe sind – zum Leidwesen der Mädchen, die aus ihrer Not viel zu früh in eine Ehe mit einem Mann getrieben werden, den sie meistens kaum kennen.

Theresa Kachindamoto ist Leiterin des Dedza Distrikts in Malawi und verantwortlich für 900 000 Menschen. Sie selbst hatte niemals damit gerechnet, einmal dieses Amt inne zu haben, als 12. Kind ihrer konservativen Familie und selbst bereits Mutter von fünf Kindern. Doch sie wurde gewählt, weil man ihr nachsagte, „gut zu den Menschen zu sein.“ Für Theresa war das eine große Überraschung, doch sie war nun eine von 300 Distrikt-Leitern in Malawi und nahm sich vor, ihr Amt voller Hingabe auszuführen und traf mutige Entscheidungen, um etwas zu verändern.

Kinderehen in Malawi

Malawi ist ein kleiner Staat im Süd-Osten Afrikas, der von einer wahnsinnigen Armut bestimmt wird. Außerdem sind die Menschen unglaublich jung, fast 40% der Bevölkerung Malawis sind jünger als 15 Jahre. Den Menschen mangelt es oft an einfachen Dingen des täglichen Bedarfs und die Familien wissen häufig nicht, wie sie über die Runden kommen sollen. In der Hoffnung ihre Töchter versorgt zu wissen, werden die Mädchen häufig möglichst früh verheiratet. Manche Mädchen entscheiden sich auch selbst für diesen Schritt und heiraten einen deutlich älteren Mann, um ihrer Familie nicht weiter zur Last zu fallen.

2012 war die Hälfte der Mädchen unter 18 Jahren bereits verheiratet, eine Ehe zwischen einem 12-jährigen Mädchen und einem erwachsenen Mann ist keine Seltenheit. Viele von ihnen haben schon mit 14 oder 15 zwei eigene Kinder, denn Verhütungsmittel werden in Malawi so gut wie nie verwendet.

Jedoch fehlt es auch in der Ehe oft an den absoluten Basics, wie Seife, um sich zu waschen. Aber auch wenn man von den materiellen Dingen absieht, fehlt den jungen Ehefrauen vieles: Liebe, Anerkennung, Wertschätzung. Denn dieser Bund ist nur selten aus Liebe geschlossen worden. Die meisten Mädchen sind unglücklich und fühlen sich nicht bereit für eine Ehe oder gar Schwangerschaft. Noch dazu sind viele Ehemänner übergriffig und missbrauchen ihre häufig deutlich jüngeren Frauen.

Die Annullierung von über 800 Kinderehen in Malawi

Das ist kein Leben für junge Mädchen, findet auch Theresa Kachindamoto. Sie will nicht mehr mit ansehen, wie diesen Mädchen so ein großer Teil ihrer Kindheit geraubt wird und tiefe, irreparable Schäden verursacht. Deshalb war eine ihrer ersten Amtshandlungen, sich mit verschiedenen Interessensgruppen in ihrem Distrikt zu treffen, um dann zu entscheiden, dass diese Kinderehen verboten werden müssen.

Eigentlich ist Kinderehe in Malawi seit 2015 gesetzlich nicht mehr erlaubt, praktisch gesehen, kümmert das aber kaum jemanden. Denn obwohl es eine Demokratie gibt, haben die traditionellen Führer noch sehr viel Macht, wenn nicht sogar mehr Macht als die Regierung, und das Konzept der Kinderehe wird seit ewigen Zeiten angewandt. Deshalb hatte es eine so große Wirkung, als Theresa Kachindamoto als Leiterin des Dedza-Distrikts die Regel erließ, dass Minderjährige nicht mehr verheiratet werden dürfen, und bereits geschlossene Ehen annulliert werden müssen. Stattdessen sollen die Mädchen, die meist mit der Heirat aus der Schule genommen wurden, wieder in den Unterricht gehen.

Natürlich wurde diese neue Regelung nicht von allen positiv aufgenommen. Ihr Engagement wurde von Dorfvorstehern und Ältesten nur belächelt und von vielen Leuten – aber vor allem von Männern – kam heftiger Gegenwind. Dennoch bewies Theresa Kachindamoto Durchsetzungskraft und sorgte dafür, dass ihre Regel auch wirklich umgesetzt wurde. Im speziellen gab es 4 Häuptlinge, die der neuen Regelung von Grund auf wiedersprachen. Diese wurden gleich darauf von Theresa Kachindamoto abgesetzt. Nachdem diese jedoch dafür sorgten, dass ihre Nachfolger die neue Regel umsetzten würden, hat sie die vier wieder zurück in ihr Amt berufen.

So wurden bereits über 800 Kinderehen im Dezda-Distrikt annulliert und die Kinder bekommen Unterstützung, damit sie wieder in die Schule gehen können. Sollten die Mädchen bereits selbst Kinder haben, können sie diese in eine eigens eingerichtete Kinderbetreuung geben.

Unterstützt wird Theresa Kachindamoto von verschiedenen internationalen Hilfsorganisationen, wie der UN. Außerdem arbeitet sie mit vielen Menschen vor Ort zusammen. Es gibt eine „Muttergruppe“, die sich darum kümmert, dass die Mädchen auch wirklich wieder zurück in die Schule gehen und viele weitere Frauen und Männer, die hinter Theresa und ihrer Mission stehen.

Für eine bessere Zukunft

Für sie ist es eine der wichtigsten Maßnahmen, dass junge Mädchen in die Schule gehen können und nicht bereits mit 12 Jahren nicht mehr zum Unterricht gehen, weil sie verheiratet worden sind. Denn nur mit Bildung können die Mädchen eine Anstellung finden und sich mit dem selbst verdienten Geld die Dinge, die sie zum Leben brauchen, selbstständig kaufen. Nur so sind sie nicht auf einen Ehemann angewiesen, der sich das häufig selbst alles nicht leisten kann.

Doch trotz dieses großen Schritts, der von Theresa Kachindamoto initiiert wurde, gibt es noch viel zu tun in Malawi. In der gesamten Bevölkerung muss ein Prozess des Umdenkens gestartet werden. Es gibt einige Schwierigkeiten mit der Akzeptanz von Mädchen, die zurück in die Schule kommen, manchmal lachen sogar die Lehrer über sie. Deshalb geht Theresa Kachindamoto auch persönlich zu den Familien, um ihnen zu erklären, wie wichtig Bildung für ihre Töchter ist und, dass das der einzige wirkliche Weg ist, dass sie einmal ein besseres Leben haben. Sie erklärt ihnen außerdem, dass eine Tochter mit einer Anstellung auch in der Lage ist, ihre Familie finanziell zu unterstützen. Allerdings stehen sie dabei noch vor einem weiteren Problem: Es gibt schon jetzt viel zu wenige Lehrer für all die Kinder.

Parallel dazu kämpft Theresa Kachindamoto in der Regierung für eine verschärfte Durchführung des Kinderehe-Verbotes und versucht die anderen Distrikt-Leiter davon zu überzeugen, diese Regelung auch in ihrem Distrikt durchzusetzen.

Theresa Kachindamoto ist eine wirklich mutige Frau, die sich über Konventionen hinwegsetzt, um für das einzustehen, was sie für richtig hält. Ihr Ziel ist es, ein grundlegendes Umdenken bezüglich Kinderehen und Bildungschancen für Mädchen, in der Bevölkerung zu erreichen. Dabei beweist sie großes Durchhaltevermögen und ist immer mit ganzem Herzen dabei.


Quellen: https://www.livenet.de/themen/gesellschaft/ethik/349654-eine_stammesleiterin_entscheidet_gegen_sexuelle_ausbeutung.html https://allthatsinteresting.com/theresa-kachindamoto https://www.youtube.com/watch?v=eiVPKib8Ctk https://www.youtube.com/watch?v=nCiaSRRC5pQ

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