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Live your dream – Träume und Traumfänger in der indianischen Kultur

Jeder kennt ihn – den Traumfänger. Er soll die bösen Träume einfangen und so für einen ruhigeren Schlaf sorgen. Deshalb hängt er oft über dem Bett. Aber auch in Form von Schmuck, als Tattoo oder Aufdruck auf T-Shirts ist dieses Symbol häufig zu finden. Wir Deutschen sind fasziniert von den Indianern, die einst mit Federn geschmückt durch die weite Prärie galoppiert sind. Viele Kinder verkleiden sich gerne als Indianer und eben auch der Traumfänger hat es in unseren Kulturkreis geschafft. Die Wenigsten wissen jedoch was genau hinter dem Traumfänger steckt und, dass er noch viel mehr Bedeutung hat, als für einen geruhsameren Schlaf zu sorgen. Manchmal waren die Traumfänger auch gar keine Gegenstände. Woher kommt der Traumfänger also und wofür war er gedacht?

Der ursprünliche Traumfänger

Der klassische Traumfänger wurde von den Ojibwa-Indianern erfunden. Er soll den Schlafenden vor bösen Träumen schützen und für Glück und Harmonie sorgen.

Ein Traumfänger, so wie die Indianer ihn bauten, besteht aus einem runden, meist hölzernem, Kreis. Dieser Kreis soll den Kreis des Lebens symbolisieren. In dem Kreis werden Flechten oder Halme nach einem bestimmten System gespannt. In der Mitte bleibt ein Loch. Am unteren Ende sind Federn angebracht, zum Beispiel Eulenfedern (für Weisheit) oder Adlerfedern (für den Mut), und häufig wird er auch mit magischen Steinen bestückt. In manchen Überlieferungen liest man auch, dass der Traumfänger die vier Elemente in sich vereinen soll. Die Elemente können zum Beispiel durch Federn (Luft), Perlen (Feuer), Steine (Erde) und Muscheln (Wasser) dargestellt werden.

Die Indianer glauben, dass die guten Träume durch das Loch und die Maschen hindurch schlüpfen und anschließend an den Federn hinunter zum Schlafenden gleiten können. Die schlechten Träume aber bleiben an dem Netz hängen, bis zu den ersten Sonnenstrahlen, bei denen sie dann verschwindenden. Die magischen Steine sollen den Schlafenden beschützen.

Aber wie sind die Ojibwa-Indianer nun auf die Traumfänger gekommen? Der Legende nach gab es eine Mutter, die traurig und verzweifelt war, weil ihre kleine Tochter nachts von bösen Träumen geplagt wurde. So ging die Mutter zur weisen Spinnenfrau, die nach Vorstellung der Indianer auf alle Wesen dieser Welt aufpasst, um Hilfe zu finden. Asibikaashi – die Spinnenfrau – wies die Mutter an, einen Weidenzweig zu einem Kreis zu formen. Mit der Schnur solle sie schöne und liebevolle Gedanken in das Netz weben, in der Mitte aber soll ein Loch bleiben, damit die guten Träume zum Kind gelangen können. Die Mutter folgte den Anweisungen der Spinnenfrau und fertigte den ersten Traumfänger, den sie über dem Bett ihres Kindes aufhängte. Nun konnte ihre Tochter endlich wieder ruhig schlafen.

Der Traumfänger in anderen Kulturen

Aber auch unter den Lakota-Sioux, den Azteken und den Aborigines gab es Traumfänger. Ihre Vorstellung vom Traumfänger und auch das Aussehen unterschied sich mitunter deutlich von den Ojibwa-Indianern.

Für die Lakota-Sioux hilft der Traumfänger sich auf die guten Visionen und Träume im Leben zu fokussieren und seine Ziele zu erreichen. Nach ihrer Vorstellung fängt das Netz die guten Ideen, während die schlechten durch das Loch des Netzes entfliehen und so nicht länger ein Teil von ihnen sind.

Träume hatten in der indianischen Kultur schon immer eine große Bedeutung. Sie stellten die Möglichkeit dar Kontakt mit der Geisterwelt aufzunehmen und Lebensweisheiten oder gute Ratschläge vermittelt zu bekommen. Traumgeister in Gestalt von Tieren konnten im Traum erscheinen und sowohl Wegweiser als auch Warnung darstellen. Auch glaubten die Indianer, dass verstorbene Vorfahren in den Träumen mit ihnen Kontakt aufnehmen können. Deswegen war es allen Indianerstämmen wichtig zu träumen, um diese Signale empfangen zu können. Die guten Träume waren natürlich besonders erwünscht und der Traumfänger somit eine Möglichkeit das Gute und Hilfreiche heraus zu filtern und eine Verbindung zwischen Realität und der Welt der Träume zu schaffen.

Die Azteken, die im heutigen Mexiko lebten, hatten ebenfalls Traumfänger in Form von kreisförmigen Netzen. Sie knüpften magische Gegenstände wie die Rasseln von Klapperschlangen, bunte Steine, Wurzeln von speziellen Zauberpflanzen oder Bärenhaar in das Netz.

Dagegen waren die Traumfänger bei den Aborigines keine Gegenstände, sondern Menschen, die durch Meditation und Konzentration auch am Tag träumen konnten, um darin Lösungen für aktuelle Probleme zu finden. Den „anders gläubigen Menschen“ ist dies nur nachts möglich, weil unsere Gesellschaft es nicht erlaubt auch am Tag zu träumen.

Man sieht, dass Träume auch in der Kultur vieler indigener Völker unterschiedliche Bedeutungen haben. Bei den Ojibwa-Indianern bezieht sich das Träumen und der Zweck des Traumfängers hauptsächlich auf den Schlaf. Das Wort „Traum“ kann aber auch eher die Bedeutung einer Vision oder eines Lebensziels haben, wie es bei den Lakota-Sioux und den Aborigines deutlich wird. Ich finde es eine sehr schöne Vorstellung, dass ein Traumfänger dir hilft deine Ziele zu erreichen, vielleicht auch erst Mal herauszufinden was „dein Traum“ überhaupt ist. Er kann ein Symbol sein, das Hoffnung und Selbstvertrauen gibt, den eigenen Weg zu finden und gleichzeitig ein Versprechen, dass du es schaffen wirst diesen Weg zu gehen. Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb der Traumfänger hier in Europa so beliebt ist und man dieses Symbol gerne bei sich trägt, wie ein Glücksbringer oder Talisman. Ich denke wir können alle noch etwas von der indianischen Kultur und ihrem Vertrauen in den Lauf der Natur lernen und uns trauen zu träumen.


Quellen: Traumfänger24: https://www.traumfaenger24.de/2019/03/legenden-der-traumfaenger/ , Gedankenwelt: https://gedankenwelt.de/die-legende-der-traumfaenger/ , Kidsweb: http://www.kidsweb.de/schule/kidsweb_spezial/indianer_spezial/indianische_traumfaenger.htm , Viversum: https://www.viversum.de/online-magazin/traumfaenger-bedeutung , Dietraumdeuter: https://www.dietraumdeuter.de/esoterik/bedeutung-des-traumes-in-der-indianischen-kultur-nordamerikas/

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