Politik

Unglaubliche Vorgänge in China – systematische Unterdrückung der Uiguren

Menschen verschwinden spurlos, ganze Straßenzüge stehen leer. Alle 500 Meter steht ein Polizeiposten, kontrolliert Ausweise und Smartphones. Kontakt zu Verwandten und Freunden bricht einfach ab. Häuser werden durchsucht, Freunde und Nachbarn befragt. Man hört von Lagern, in die die Verschwundenen gebracht wurden. Unterdrückung, Überwachung und Angst bestimmen den Alltag.

Genau so geht es den Uiguren, einer muslimisch geprägten Volksgruppe, die hauptsächlich in der chinesischen Provinz Xinjiang leben. Die Provinz ist seit 1955 ein autonomes Gebiet, trotzdem werden die Uiguren von der chinesischen Regierung unterdrückt und ihre Kultur systematisch zerstört.
Schon lange fühlen sich die Uiguren in ihrer Provinz als Bürger zweiter Klasse behandelt, denn obwohl ihnen eigentlich Mitbestimmung und die höchsten Ämter in Verwaltung, Wirtschaft und Kultur zugesichert sind, haben sie das Gefühl, die tatsächlichen Entscheidungen werden praktisch allein von den Han-chinesischen Parteifunktionären getroffen. Auch von dem wirtschaftlichen Aufschwung in der bodenschatzreichen Region profitieren fast ausschließlich die zugezogenen Han-Chinesen (so bezeichnet man die überwiegende Mehrheit der Chinesen, die Uiguren stellen eine ethnische Minderheit dar).

Festnahmen und Umerziehungslager

Die aktuelle Lage der Uiguren geht aber weit über eine Benachteiligung hinaus. Seit einiger Zeit ist bekannt, dass ein großer Teil der Uiguren festgenommen und in Lager gebracht wurde, die Schätzungen reichen von 100.000 bis zu 1 Millionen Inhaftierten. Überlende, die es geschafft haben ihre Informationen an die Öffentlichkeit zu bringen, erzählen von Demütigungen, totaler Überwachung, Folter und Vergewaltigung.
Experten sind sich mittlerweile einig, dass der Hauptzweck der Lager in der „Umerziehung“ der Uiguren besteht. Sie sollen ihre Religion aufgeben und in jeder Hinsicht „gute“ chinesische Staatsbürger werden, die sich der kommunistischen Ideologie verschreiben. Es wird absolute Loyalität gegenüber der Kommunistischen Partei Chinas gefordert. In Regierungsdokumenten, die der Wissenschaftler Adrian Zenz ausgewertet hat, wird wortwörtlich von einer „Säuberung der Gehirne“ gesprochen. Dazu müssen die Inhaftierten Lieder singen, in denen die kommunistische Partei gepriesen wird und werden gezwungen Schweinefleisch zu essen, was gegen die Regeln des Islam verstößt, um zu zeigen, dass sie ihre Religion aufgeben und sich dem Kommunismus verschreiben.

Auslöschung der uigurischen Kultur

Dass die chinesische Regierung die Uiguren von ihrem Glauben, ihrer Kultur abbringen will, zeigt sich auch in den Maßnahmen, die direkt in Xinjiang ergriffen wurden. „Der Staat hat auch die Ausübung des Islam in Xinjiang quasi gesetzlich verboten.“ Die Menschen dürften nicht beten und nicht im Alltag „Allah“ sagen“, zitiert die Tagesschau Maya Wang (Human Rights Watch in Hongkong). Auf Satellitenbildern sind zerstörte Moscheen zu sehen. Jeder Uigure, der seinen Glauben ausübt, läuft Gefahr festgenommen zu werden. Experten sprechen deshalb von einem kulturellen Genozid, also der Auslöschung der uigurischen Kultur.
Die chinesische Regierung hat in Xinjiang einen umfassenden Überwachungsapparat aufgebaut. Polizeiposten stehen auf der Straße, es gibt Ausweiskontrollen an den Eingängen zu den meisten öffentlichen Gebäuden. Zusätzlich sind Kameras mit Gesichtserkennung im Einsatz, auch von Überwachungs-Apps auf den Smartphones wurde bereits berichtet. Die chinesische Regierung soll Datenbanken mit Fingerabdrücken und DNA-Proben eingerichtet haben.

Die chinesische Regierung streitet alles ab

Diese Details waren lange Zeit nicht bekannt, erst nach und nach kommt das ganze Ausmaß ans Licht. Natürlich hat die chinesische Regierung lange Zeit versucht, die Vorgänge in Xinjiang geheim zu halten. Als es Beweise für die Lager in Form von Satellitenbildern gab, sagte die Regierung es wären Ausbildungslager, in denen sich die Uiguren freiwillig befinden, um Bildung und dadurch bessere Berufschancen zu erhalten. Dieses Bild verstärken sie durch Videos von singenden, fröhlich lernenden Uiguren im chinesischen Staatsfernsehen. Doch die Vermutung liegt nahe, dass diese Videos gestellt sind, denn die Berichte entkommener Uiguren behaupten das Gegenteil. Einen eindeutigen Beweis bieten geheime parteiinterne Dokumente, die einigen Journalisten zugespielt wurden. Sie enthalten detaillierte Anweisungen zur Überwachung in den Lagern und auch Strafen, die bei „Fehlverhalten“ verhängt werden sollen. Journalisten aus den verschiedensten Ländern haben diese Dokumente ausgewertet und die Recherchen unter dem Namen „China Cables“ veröffentlicht.
Die chinesische Regierung rechtfertigt ihr Vorgehen als Anti-Terror-Maßnahmen, unter den Uiguren gäbe es islamistische Terroristen, die sich in den Moscheen treffen. Tatsächlich gab es 2013 und 2014 Anschläge uigurischer Extremisten und im Jahr 2009 Ausschreitungen, bei denen einige Han-Chinesen ums Leben kamen. Die Anschuldigungen der Regierung sind also nicht komplett aus der Luft gegriffen, jedoch stellt die Regierung nun alle Uiguren – vor allem die gläubigen Muslime – unter Generalverdacht und bekämpft den angeblichen Terror mit einer Härte, die dadurch nicht gerechtfertigt werden kann.

Unvorstellbare Geschehnisse

Wenn ich diese Berichte über Umerziehungslager und einen staatlich organisierten Überwachungsapparat lese, bin ich einfach nur sprachlos, wie so ein Unrecht geschehen kann, wie weit der Hass dieser Regierung auf die Uiguren und ihre Lebensführung oder vielleicht auch die Angst vor Kritik und Auflehnung gegen das kommunistische System gehen muss. Es ist ein unvorstellbares Verbrechen gegen die Menschenrechte und ich will mir gar nicht vorstellen, wie sich die Menschen in Xinjiang fühlen müssen. Man kann gar nicht glauben, dass so etwas in unserer Zeit geschehen kann.


Foto von https://pixabay.com/de/users/sw1994-598315/?utm_source=link-attribution&utm_medium=referral&utm_campaign=image&utm_content=540874 auf Pixabay www.pixabay.com

Quellen: www.uigurkultur.com https://www.tagesschau.de/ausland/uiguren-china-101.html https://www.tagesschau.de/ausland/uiguren-113.html https://www.businessinsider.de/politik/in-china-gibt-es-erschreckende-umerziehungslager-in-denen-wohl-mehr-als-eine-million-menschen-festsitzen-2018-5/ https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr/china-cables-uiguren-101.html (Nächster Likn leider nicht mehr verfügbar) https://www.zdf.de/nachrichten/heute-plus/videos/uiguren-108.html https://www.zeit.de/politik/ausland/2019-11/uiguren-china-xinjiang-unterdrueckung https://www.erf.de/themen/gesellschaft/ein-kultureller-genozid/2270-542-6596

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