Politik

Frauenquote für Führungspositionen – Ein Pro und Contra

Foto von Gerd Altmann auf Pixabay

Unternehmen, in deren Führungsetagen beide Geschlechter vertreten sind, sind meist auch erfolgreicher. Das zeigten bereits mehrere Studien, beispielswiese von Ernst & Young oder McKinsey. Warum? Weil verschiedene Menschen mit ebenso verschiedenen Hintergründen, Erfahrungen, Werten und Vorstellungen ein Problem aus viel mehr Perspektiven betrachten und damit zu besseren Lösungen kommen können. Das ist zumindest ein Punkt. Aber trotz diesen Ergebnissen sind Frauen in Führungspositionen deutscher Unternehmen immer noch ziemlich selten anzutreffen. Vor allem, wenn man sich die DAX-Konzerne ansieht. Es soll sogar mehr Männer mit Vornamen Thomas oder Michael geben als Frauen insgesamt.

Das muss sich nun ändern – finden viele – und die Debatte über eine mögliche Frauenquote in Führungspositionen, die schon oft im Raum stand, gewann in den letzten Monaten wieder and Aufmerksamkeit. Nicht zuletzt, weil Bundesfamilienministerin Franziska Giffey einen entsprechenden Gesetzesentwurf einbrachte.

Auch auf Instagram wurde eine Kampagne mit dem Hashtag #ichwill gestartet, in der verschiedene Content Creator und Prominente, Frauen dazu aufrufen, zu zeigen, dass sie Interesse and einer Führungsposition haben. Die Kampagne geht dabei auf das häufig von Gegnern der Frauenquote vorgebrachte Argument ein, dass es gar nicht genug Frauen gibt, die in Vorständen, Aufsichtsräten, etc. sein wollen.

Aber ist eine verpflichtende Quote wirklich der richtige Weg, um mehr Frauen in die Chefetagen zu bringen?

Pro: Argumente für eine Frauenquote

  • Eine Frauenquote bringt schnellere Ergebnisse als die Selbstverpflichtungen der Unternehmen: Viele Unternehmen haben sich bereits selbst verpflichtet mehr Frauen einzustellen und ihnen wichtigere Positionen zu geben. Trotzdem liegt der Anteil an Frauen in Führungspositionen der deutschen DAX-Unternehmen, laut einer aktuellen Studie, nur bei 12,8% und ist im Vergleich zum Vorjahr sogar gesunken. Deutschland liegt mit diesem Wert deutlich hinter anderen Ländern, wie Großbritannien, Schweden, aber auch Polen zurück. Eine Frauenquote würde dazu beitragen diese Lücke schnell zu schließen.
  • Unternehmen müssen sich unserer Gesellschaft anpassen: Eine Frauenquote zwingt Unternehmen mit altmodischen Führungsschichten sich mit ihrem Personal der heutigen Gesellschaft anzupassen, die nun mal diverser und auch femininer geworden ist.
  • Eine Quote zwingt Unternehmen ihr Blickfeld zu erweitern und vielleicht auch mal eine ganz andere Persönlichkeit in der Chefetage zu zulassen; denn Frauen haben oft andere Sichtweisen als ihre männlichen Kollegen. Und das kann nicht nur für ein neues Bild im Vorstand sorgen, sondern auch für neue Ideen. Zu diesem Argument möchte ich gerne ein schönes Zitat von Daniela Kuhr aus der Süddeutschen Zeitung nennen:

„Wer oben sitzt, und das ist ja meist ein Mann, ist – vermutlich nicht ganz zu Unrecht – davon überzeugt, dass er vieles richtig gemacht hat. Deshalb fördert er vor allem solche Leute, die ihm ähnlich sind. Es liegt in der Natur der Sache, dass sein Blick dabei eher auf Männer fällt als auf Frauen. Es sei denn, eine Quote zwingt ihn, sein Blickfeld zu öffnen.“

  • Unternehmen müssten deutlich mehr in die Förderung ihrer weiblichen Angestellten investieren, um qualifizierte Chefinnen zur Verfügung zu haben, wenn sie eine verpflichtende Quote erfüllen müssten. Damit würden die Frauen auch mehr gefördert und könnten ihre Kompetenzen leichter erweitern, denn häufig gehen die Förderungen doch an die männlichen Kollegen. (Dazu passt auch wieder das oben genannten Zitat.) Somit wäre auch das Argument, Frauen wären nicht qualifiziert genug für eine solche Position, vom Tisch.

Contra: Argumente gegen eine Frauenquote

  • In gewissen Bereichen gibt es vielleicht nicht genug entsprechend qualifizierte Frauen: Gerade in Berufen in der IT gibt es einfach gar nicht so viele Frauen und diese müssten dann auch noch gut qualifiziert und interessiert an einer Führungsposition sein, um Unternehmen überhaupt die Möglichkeit zu geben, die Quote zu erfüllen.
  • Frauen in Führungspositionen würde vorgeworfen werden, sie seien nur auf Grund ihres Geschlechts in diese Position gekommen: Diese Frauen würden als „Quotenfrauen“ nicht wirklich ernst genommen und respektiert werden, da angenommen werden würde, sie seien nur „alibimäßig“ in dieser Position, oder eben um die Quote zu erfüllen. Das ist aber nicht der Sinn hinter solch einer Quote. Das Ziel ist es doch, die hauptsächlich männlich geprägte Welt der Vorstände und Manager davon zu überzeugen, dass Frauen nicht nur genauso gut geeignet für so einen Job sein, sondern auch bereichernd wirken können. Es ist also zweifelhaft, ob eine erzwungene Quote dieses Bild erreichen würde.
  • Eine Frauenquote würde einen enormen Druck auf die Frauen ausüben. Sie sähen sich wahrscheinlich fast täglich mit dem Vorwurf konfrontiert, nur wegen der Quote in diese Position gekommen zu sein. Sie müssten also ständig beweisen, dass sie durchaus qualifiziert für ihren Job sind, vielleicht hätten sie sogar das Gefühl stellvertretend für alle Frauen stehen zu müssen und diese Quote zu rechtfertigen. Und das würde einen unheimlich großen Druck für alle Frauen bedeuten, die nach Inkrafttreten der Quote eingestellt oder befördert werden.
  • Jobs in Führungspositionen und eine Schwangerschaft sind noch schwerer miteinander vereinbar als es bei einem durchschnittlichen Job der Fall wäre: Das heißt eine Frau muss sich häufig für eines entscheiden. Und bei einigen Frauen fällt diese Wahl dann doch auf die Möglichkeit eine Familie zu gründen. Um also mehr Frauen in Führungspositionen einsetzen zu können, müssten zuerst die Strukturen familienfreundlicher gestaltet werden (das würde übrigens auch den Vätern helfen).

Mein persönliches Fazit

Als ich angefangen habe Argumente für und gegen die Einführung einer Frauenquote für Führungspositionen in deutschen Unternehmen zu sammeln und mich insgesamt mit dem Thema zu beschäftigen, dachte ich, dass ich hier in meinem Fazit beschreiben würde, warum ich gegen eine Frauenquote bin. Weil ich grundsätzlich nicht von starren, nicht anpassbaren Vorgaben überzeugt bin. Und weil ich glaube, dass eine Frauenquote einen enormen Druck auf die Frauen ausüben würde. Sie müssten ständig beweisen, dass sie nicht nur die „Quotenfrau“ sind und hätten gewissermaßen die Aufgabe die Quote durch herausragende Leistung zu rechtfertigen.

Diese Argumente, ist immer noch wichtig für mich. Allerdings hat sich mein insgesamter Standpunkt mittlerweile verschoben…

Während ich recherchiert habe und auch die #ichwill Bewegung immer mehr an Fahrt aufgenommen hat, habe ich so einige Erfahrungsberichte gelesen, von Frauen, die wirklich im Beruf nicht ernst genommen, diskriminiert oder bewusst nicht eingestellt werden, weil sie im „gebärfähigen Alter“ sind. Solche Erzählungen wurden zum Beispiel auch unter einem meiner zugehörigen Posts auf Instagram kommentiert. Dafür bedanke ich mich.

Das sind aber nicht die einzigen Erzählungen dieser Art. Auf Instagram findet man viele solche Kommentare unter thematisch passenden Posts, zum Beispiel unter dem Hashtag #ichwill. Frauen berichten von ultra konservativen, patriarchischen Strukturen in der Wirtschaft und ich bin immer geschockter, wie viele Menschen anscheinend noch nicht im 20. Jahrhundert angekommen sind, wie tief altertümliche Rollenbilder noch in den Führungsschichten unserer Wirtschaft verwurzelt sind. Und das auch noch bei Menschen, die wichtige Entscheidungen für unser Land treffen, es durch die international orientierte Strategie vieler Unternehmen auch noch quasi nach außen vertreten. Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass das Problem so schlimm ist.

In diesem Zusammenhang muss man natürlich erwähnen, dass das nicht auf alle Unternehmen zutrifft. Es gibt einige sehr liberale, moderne und offene Unternehmen, die Frauen wie Männer für ihre Arbeit und ihr Wissen schätzen. Doch gerade bei vielen großen, alteingesessenen Industrien scheint es dringend Handlungsbedarf zu geben. Dort müssen sich die Führungsstrukturen noch unserer heutigen Gesellschaft anpassen.

Deswegen bin ich mittlerweile der Meinung, dass es vielleicht doch eine Frauenquote braucht, um gerade diese Unternehmen wachzurütteln und ihnen zu zeigen, dass es allerhöchste Zeit wird, ihre Strukturen zu überdenken und anzupassen. Die Frage ist nur, wie genau das umgesetzt werden kann, damit nicht die falschen unter einer Quote leiden. Die Frauenquote müsste vermutlich anpassbar sein für verschiedene Industrien und erst Mal nicht zu hoch, denn wenn die Quote unerfüllbar ist, wird das für die Akzeptanz der neuen Führungsfrauen nicht gerade förderlich sein.

Eine Frauenquote muss aber gleichzeitig begleitet werden von anderen, dringend benötigten Maßnahmen. Es braucht bessere Unterstützung und mehr Akzeptanz in der Wirtschaft, für Frauen, die eine Familie gründen wollen, für Mütter, die nach einer Pause wieder ins Berufsleben einsteigen wollen und generell mehr Flexibilität für Familien. Damit uns kluge und gut qualifizierte Frauen, die hervorragende Führungskräfte darstellen und unser Land voranbringen könnten, nicht dadurch verloren gehen, dass sie sich mit so einem Beruf gegen eine Familie entscheiden würden.

Was denkst du darüber? Kennst du noch weitere Argumente?

Dieser Beitrag ist zuerst auf meinem Instagram-Account erschienen. Hier habe ich ihn etwas angepasst auch für Blog-Leser bereitgestellt.


Quellen: https://www.spiegel.de/karriere/dax-unternehmen-frauenanteil-sinkt-in-der-corona-krise-a-a216e75e-85a6-4253-842f-32c920f4d1df https://www.sueddeutsche.de/karriere/pro-und-contra-zur-frauenquote-die-weibliche-wirtschaft-1.960097-2 https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/frauenquote-im-vorstand-schafft-franziska-giffey-es-den-thomas-kreislauf-zu-durchbrechen/25559254.html

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